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Kaufen oder selber machen? St.Galler Stadtrat möchte Outsourcing-Potenzial prüfen

Kaufen oder selber machen? St.Galler Stadtrat möchte Outsourcing-Potenzial prüfen

Ein überparteilicher Vorstoss bürgerlicher Exponenten und der GLP will vom Stadtrat wissen, welche Verwaltungsaufgaben an Private ausgelagert werden können. Die Idee: Durch Outsourcing sollen die relativ hohen städtischen Personalkosten sinken. Der Stadtrat ergreift die Gelegenheit – und ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.

Sie sind ein Dauerbrenner der politischen Diskussionen in der Stadt St.Gallen: Die Personalkosten der städtischen Verwaltung sind vor allem bürgerlichen Kräften ein Dorn im Auge. So schreiben die Stadtparlamentarier Oskar Seger und Remo Daguati (beide FDP), Ivo Liechti (CVP), Philipp Schönbächler (GLP) und Karin Winter-Dubs (SVP) in einem Postulat mit dem Titel «Potential Outsourcing – Wie viel muss die städtische Verwaltung selbst erledigen?», der Personalaufwand sei im Zeitraum von 2007 bis 2017 von 36 auf 49 Prozent des städtischen Gesamtaufwands gestiegen.

Diese Entwicklung, kommt der überparteiliche Vorstoss zum Schluss, gehe zu Lasten der Investitionen und des Selbstfinanzierungsgrads. Der Anstieg der städtischen Personalkosten sei im Vergleich zum Wachstum der Bevölkerung und der Teuerung überdurchschnittlich, heisst es weiter.

Gerade vor der sich abzeichnenden schwierigen finanzpolitischen Zukunft der Stadt St.Gallen sei es angezeigt, den Ausbau der Verwaltung zu hinterfragen und langfristig wieder Personal abzubauen. Damit das gelingen soll, fordern sie den Stadtrat auf, in einem Postulatsbericht darzulegen, welche Verwaltungsaufgaben eventuell auch von privaten Unternehmen abgewickelt werden könnten und welche Auswirkungen dieses potenzielle Outsourcing auf den städtischen Finanzhaushalt hätte.
Stadtrat stellt sich Outsourcing-Frage immer wieder

Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Er beantragt dem Parlament, das Postulat erheblich zu erklären, und ist bereit, einen Bericht über mögliche Auslagerungen zu verfassen. Er begründet diese Haltung mit dem Umstand, «dass das Thema ohnehin als Dauerthema präsent ist und bei den Entscheidungen des Stadtrats immer wieder ins Kalkül gezogen wird». Outsourcing sei für den Stadtrat nichts Neues, schreibt er weiter. Die Frage «Kaufen oder selber machen?» stelle sich bei Leistungen der Verwaltung immer wieder. «Dabei wird auch darauf geschaut, wie andere vergleichbare Städte diese Aufgaben lösen.»

Der Stadtrat vermittelt den Eindruck, als würden die Postulantin und die vier Postulanten mit ihrem Vorstoss im Rathaus offene Türen einrennen. Er unterlässt es dabei aber nicht, den Vorstössern in einigen Punkten zu widersprechen. So schreibt er zum Beispiel, der Blick auf die Wachstumsraten der Bevölkerung oder die Teuerung greife zu kurz. Es sei zu beachten, dass die Stadt im erwähnten Zeitraum ihr Angebot immer wieder ausgebaut habe. Dies nicht zuletzt wegen Aufträgen des Parlaments. Hinzu komme, dass der Kanton sowohl Aufgaben als auch Kosten auf die Gemeinden abgewälzt habe.

Mit dem im vergangenen Sommer angekündigten Sparprogramm «Fokus 25» würden diverse Aufgaben der städtischen Verwaltung analysiert, heisst es weiter. Dabei spielten Auslagerungsüberlegungen ebenfalls eine Rolle. Zudem sei St.Gallen an einem durch den Städteverband lancierten Benchmarking-Programm beteiligt. Rund 40 Schweizer Städte und Gemeinden werden dabei bei bestimmten Leistungen verglichen. «Die Erkenntnisgewinne aus diesen beiden Programmen lassen sich für die von den Postulanten angeregten Transformationsprozesse durchaus nutzen.»

Beitrag aus dem "Tagblatt"

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