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St.Galler Parlamentarier fordern Informationen zum Bohrloch im Sittertobel – vor sieben Jahre beendete ein Erdbeben hier grosse Träume

St.Galler Parlamentarier fordern Informationen zum Bohrloch im Sittertobel – vor sieben Jahre beendete ein Erdbeben hier grosse Träume

Drei Stadtparlamentarier haben einen Vorstoss eingereicht. Der Stadtrat soll erklären, was mit dem Geothermie-Bohrloch passiert.

Das Bohrloch im Sittertobel ist klein und unscheinbar. Mit ihm verbunden waren aber grosse Visionen und mit ihm verbunden sind immer noch Hoffnungen. Die Hoffnung, dass das Geothermie-Bohrloch anderweitig genutzt werden kann. Dazu haben der FDP-Stadtparlamentarier Oskar Seger sowie die SVP-Stadtparlamentarier Donat Kuratli und René Neuweiler einen Vorstoss eingereicht. Sie wollen, dass der Stadtrat Bericht darüber erstattet, wie der Stand der Abklärungen zum Bohrloch ist, welche Nutzungen möglich wären und wie es nun weitergeht.

2016 fand in St.Gallen ein Workshop mit Wissenschaftern statt, um Forschungsideen zu sammeln. Damals hätten sich allfällige Forschungsvorhaben im Anfangsstadium befunden, dem sei nun nicht mehr so, schreiben die Parlamentarier. Zudem würden sich der europäische und weltweite Markt im Geothermie-Sektor seit einigen Jahren «enorm» entwickeln. Im Postulat heisst es:

«Es ist an der Zeit, sämtliche Möglichkeiten von zukünftigen Nutzungen neu zu analysieren.»

Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Stadtrat beabsichtigt habe, 2019 über den weiteren Umgang mit der Tiefbohrung und dem Bohrlochverschluss zu entscheiden.

Zuletzt konnte sich das Stadtparlament 2016 zum Geothermie-Projekt äussern. Damals wurde der Postulatsbericht «Erdchance nicht verpassen» zur Kenntnis genommen. In der Diskussion zeigte sich damals: Die Fraktionen wollen grossmehrheitlich nicht, dass das Bohrloch definitiv verschlossen wird.

Erdgas und ein Erdbeben beendeten den Traum

Das Geothermieprojekt im Sittertobel kostete die Stadt knapp 40 Millionen Franken. Die Vision: eine St.Galler Energiezukunft ohne Kohle, Erdöl oder Gas. Statt fossiler Energien sollte heisses Wasser zum Heizen verwendet werden. Doch im Juli 2013 steigt der Druck im Bohrloch plötzlich an. Bei den Arbeiten ist man unerwartet auf Erdgas gestossen. Stabilisierungsmassnahmen werden ergriffen, in der Folge kommt es zu einem Erdbeben mit der Stärke 3,5 auf der Richterskala.

Später wird klar: Im Untergrund schlummert sowieso zu wenig heisses Wasser. Auch das Erdgasvorkommen ist gering. Die grosse Vision wird beerdigt, das Bohrloch dichtgemacht. Das untere Ende des Bohrlochs, in 4450 Metern Tiefe, wird mit einem Pfropfen verschlossen und das Loch mit einer Flüssigkeit verhindert. Das Gemisch aus Gas und Wasser kann so nicht nach oben dringen.

Seither fristet das ehemalige Pionierprojekt vor sich hin. Was künftig mit dem Bohrloch passiert, soll nun der Stadtrat beantworten.

St. Galler Tagblatt vom 04.10.2020

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